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19. September 2017

Samuel Koch bei der Lebenshilfe Böblingen e.V.

Samuel Koch zu Gast beim Wochenende der inklusiven Begegnung in Böblingen

„Manchmal hilft schon die fehlende Rechnung…“, so plastisch veranschaulicht Samuel Koch seine heutigen Glücksmomente in der ausverkauften Alten TÜV-Halle in Böblingen. Die Lebenshilfe Böblingen hat ihn zu ihrem jährlichen Wochenende der inklusiven Begegnung als Gastredner eingeladen. Er war erfolgreicher Kunstturner und Student der Schauspielkunst, bevor er 2010 bei „Wetten, dass…“ schwer verunglückte. Heute ist Samuel Koch Tetraplegiker. Heißt: Die Beweglichkeit der Arme und Beine ist durch die Lähmung schwer eingeschränkt.
„Was gibt Dir die Kraft? Wie schaffst Du das?“ fragen ihn die Leute immer wieder. Um Fragen wie diese zu beantworten, hat er zwei Bücher verfasst: „Zwei Leben“ und „Rolle vorwärts“. An diesem Wochenende in Böblingen sind viele Zuschauer zusammengeströmt, um Samuel Koch zu lauschen und ihre Aufmerksamkeit wieder auf die eigentlichen Dinge des Lebens zu lenken.
Unter den Zuschauern sind zahlreiche Menschen mit Handicap. Der Autor plaudert entspannt mit ihnen und geht dann zwanglos zur Lesung über. Wie hat er das geschafft, den Unfall zu bewältigen? Nicht zuletzt „mit Disziplin“, sagt Koch. Außerdem bescheinigt er sich entschieden eine „positive Grundpersönlichkeit“. Mit dem Unfall hat sich aber auch seine Perspektive auf das Leben verändert. Er handle nicht mehr nur „optimierend, ökonomisch und erfolgversprechend“, sondern sage sich, dass „das beste noch kommt“. Im Zweifelsfall im Jenseits.
Auch Dankbarkeit hilft Samuel Koch viel, und er führt sogar Buch darüber. So dankt er für Dinge wie das morgendliche Vogelzwitschern, die Familie oder einfach die fehlende Rechnung im Briefkasten. Seine lange Liste trägt ihm einen Szenenapplaus ein.
Das Jahr im Krankenhaus und in der Rehabilitation hat ihn viel zum Nachdenken angeregt: über die Würde des Menschen, Freiheit und Gott. Auch über Glück hat er nachgedacht: „Kann man nur glücklich sein, wenn die Umstände stimmen?“, fragt er. Nein, findet er, außerdem gebe es unterschiedliche Arten von Glück: neben lang andauerndem Glück auch heitere Momente und Zufriedenheit.
Samuel Koch hat viel Unterstützung erfahren, spricht aber auch negative Erlebnisse an, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Manchmal fehlen Rampen, weil der TÜV sie aufgrund von Verstößen gegen die Auffahrtswinkelnorm abgebaut hat. „Vorschrift statt Fortschritt“, kommentiert Samuel Koch.
Er lässt auch die Zuschauer zu Wort kommen, die eine Menge Fragen haben. Sei es eher ein Fluch oder Segen, dass sich der Unfall direkt vor den Augen der Medien ereignet habe? Beides, meint Koch. Er hat schon Hassbriefe erhalten, aber seine Berühmtheit ermögliche es ihm auch, für Menschen mit Handicap einzutreten. Ob er einen generellen Lebenstipp habe? Da differenziert Koch: „Dinge, die dem einen helfen, können dem anderen schaden.“ Eine Botschaft hat er aber dann doch: „Es geht nicht darum, wie man aktiv wird. Hauptsache, man wird aktiv“. Das können viele der Anwesenden bestätigen.

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Samuel Kochs Vortrag wird musikalisch begleitet.
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Samuel Koch mit 1. Vorsitzenden (Arno Henk) und Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Böblingen